Kunststoffe profitieren vom Reshoring – K-Zeitung online

by admin on May 27, 2013

Märkte 27.05.2013von Matthias Gutbrod

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Die Migration der Produktion von Nordamerika nach China begann vor 20 Jahren. Damals glaubten die Unternehmen, ihre Produktionskosten dadurch um 30 bis 40% senken zu können. Die hohen Erwartungen wurden jedoch enttäuscht.

Vor dem Hintergrund steigender Lohnkosten, Zölle und anderer produktionsbezogener Ausgaben in China beginnt eine erneute Wanderung der Produktion – diesmal zurück nach Nordamerika, dem Trend des sogenannten “Reshoring“ folgend. Hier ein Überblick zum nordamerikanischen Markt anlässlich der bevorstehenden K 2013, der weltgrößten Fachmesse für Kunststoff und Kautschuk, vom 16. bis 23. Oktober in Düsseldorf.

Kostenunterschiede zu China nivellieren sich

Der Begriff Reshoring steht für die Rückkehr von Produktionsarten aus China zurück in die USA und Kanada. Der Grund: China wird schlicht zu teuer in Bezug auf Lohn- und sonstige Kosten, als dass die von nordamerikanischen Unternehmen geforderten Gewinnmargen weiterhin erzielt werden können. Die Kostenunterschiede zwischen den USA und China “sind dabei, sich zu nivellieren“, erklärt David Sievers, Leiter Strategy and Operations Prac­tice bei The Hackett Group, einem weltweiten Consulting-Unternehmen in Miami FL/USA. Wenn man alle Ausgaben einbezieht, liegen die Kosten für die Produktion in China und den Transport in die USA für einen US-Hersteller laut Sievers heute bei 84 Cent pro Dollar. Bei diesem Verhältnis ist es “reine Glückssache“, ob man aus der Produktion in China einen wirtschaftlichen Nutzen zieht.

Hauptantriebsfaktor sind die Lohnkosten. Die Lohnkosten in China steigen jährlich um 15 bis 18%. Auch in anderen Bereichen steigen die Kosten: Steueranreize laufen aus, Energie ist teuer und Transportkosten wachsen. Sievers bezeichnet all diese Ausgaben als „Total Landed Cost“ (TLC, Herstellkosten entlang der gesamten Lieferkette). Die Differenz von 16% zwischen den TLC und Produktionskosten in den USA wurde laut Sievers in diesem Jahr erreicht. Er geht davon aus, dass dies zahlreiche Unternehmen dazu veranlassen wird, ihre Produktion wieder nach Nordamerika zurückzuholen. „Man darf durchaus davon ausgehen, dass die Kunststoffindustrie profitieren wird, wenn Primärhersteller Arbeitsplätze zurückholen“, erklärt Michel Janssen, Chief Research Officer bei The Hackett Group.

Anwenderindustrien wandern zurück

Ein weiterer Analyst, die Boston Consulting Group, hat sieben Produktionssektoren identifiziert, die in Sachen Reshoring kurz vor dem Wendepunkt stehen. Dazu gehören auch Kunststoff- und Kautschukprodukte. Aber es sind auch weitere Sektoren dabei, in denen große Mengen Kunststoffe zum Einsatz kommen: Transportwesen, Haushalts- und Elektrogeräte, Elektronik und Computer.

Manche Beobachter gehen davon aus, dass das Reshoring beträchtliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in Nordamerika haben wird. Harry Moser, Gründer der Reshoring Initiative in Kildeer IL/USA, schätzt, dass durch Reshoring in den letzten drei Jahren über alle Branchen hinweg in den USA 50.000 Produktionsarbeitsplätze entstanden sind. Bis 2015 prognostiziert er 500.000 neue Arbeitsplätze in der Produktion.

Moser hat eine Software zur Kostenanalyse entwickelt. Diese steht registrierten Nutzern unter dem Namen „Total Cost of Ownership“ (TCO) auf seiner Website kostenfrei zur Verfügung (www.reshorenow.org). Mit dem Programm können Entscheidungsträger die tatsächlichen Herstellungskosten in China über den Vergleich von Kostenfaktoren bewerten. Moser ist überzeugt: Wenn Unternehmen eine Analyse ihrer Offshore-Produktionsbetriebe mithilfe der TCO-Software durchführen, werden sich die auf Basis des Produktpreises ermittelten Einsparungen in Luft auflösen.

Die Boston Consulting Group geht davon aus, dass durch Produktivitätssteigerungen, Kostensenkungen und Reshoring auch die Exportaktivität in den USA wachsen wird. Laut einer im letzten Jahr veröffentlichten Studie der BCG könnten Kostensenkungen und die vergleichsweise niedrigen Strom- und Erdgaspreise den USA bis 2015 einen „Exportkostenvorteil von fünf bis 25 Prozent“ gegen­über Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien sowie Japan verschaffen. Dadurch könnten die USA bis 2020 den vier europäischen Ländern 2 bis 4% und Japan sogar 3 bis 7% Export­anteil abnehmen. Dies könnte die Exportumsätze der USA mit diesen Ländern um 69 Mrd. EUR, weltweit sogar um 99 Mrd. EUR steigern.

Fast 20 Jahre lang wurde China als die Zukunft der Produktion gepriesen: Goliath auf einem unaufhaltsamen weltweiten Siegeszug. Reshoring zeigt, dass das Engagement für Produktivitätssteigerungen und Kostensenkungen, Produktqualität und Kundenservice ein besseres Modell für nachhaltiges Wachstum ist als eine fast ausschließlich preisbasierte Strategie. Von diesem neuen Denken in Nordamerika profitiert auch die amerikanische Kunststoffindustrie.








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